Hinter den Kulissen, oder was macht ein Fotograf eigentlich so

Immer öfters werden wir bei unseren Vorgesprächen von den Hochzeitspaaren angesprochen, wie denn die Preise beim Fotografen zustande kommen. Viele sind durchaus verunsichert, wenn Sie die Preise der Profis sehen und dann wiederum erstaunt, wenn Sie unsere Angebote hören …..
Aus diesem Anlass, möchte ich einen kleinen Einblick gewähren, hinter die Kulissen eines (Hochzeit) Fotografen, in die Vor und Nachbearbeitungszeit … und unsere Gedanken dazu.

Generell muss auch ein Fotograf schauen, „ dass der Laden läuft“, einfach zurücklehnen, und hoffen, dass sich die Kundschaft schon melden wird, wenn sie uns brauchen, ist nicht der Fall. Also bedeutet dies, Werbung zu schalten, Flyer und Visitenkarten zu drucken, Anzeigen zu schalten, Internetpräsenz via Homepage usw. usw. Dies will natürlich immer mal wieder erneuert werden und will gepflegt sein.
Werbung heißt, demnach zwar Kundengewinnung, bedeutet aber auch, Anfragen schriftlich oder mündlich zu beantworten, Terminabsprachen zu treffen, erreichbar sein …. Auch nach 18 Uhr und an Wochenenden!

Nach dem Erstkontakt findet dann ein Vorgespräch statt, bei uns zu Hause, bei Kaffee, Wasser und Keksen. Dafür planen wir im Durchschnitt etwa 1-1 ½ Stunden ein. In seltenen Fällen, wenn es sich absolut nicht anders regeln lässt, besuchen wir auch das Brautpaar zu Hause um die Details zu besprechen.
Dieses Vorgespräch finden wir sehr wichtig, denn die Chemie sollte auf beiden Seiten passen, schließlich verbringt man sehr viele Stunden an diesem besonderen Tag zusammen. Wir sind uns dem Vertrauensvorschuss der Paare sehr wohl bewusst, denn wir sind sehr nahe dran an Ihnen, haben oft „ intime“ Einblicke und einen Hochzeitstag kann man halt nicht mal so schnell einfach wiederholen, wenn die Bilder nichts sind!
Aus diesem Grund wollen wir Sie kennenlernen, unsere Pärchen, Ihr Wesen spüren, schauen was Sie verbindet, die „Kennenlern Geschichte“ hören, oder auch den ein oder anderen Insider den man auf den Bildern einbauen könnte.
Sehr oft läuft bei mir schon ein Film ab, während dieses Beschnupperns, und ich weiß  genau, welche Fotoeinstellungen passen könnten, fühle, was dieses Pärchen an Begleitung braucht oder mit welchen Ideen wir unterstützen können.
Für dieses Vorgespräch haben wir einen Fragebogen entwickelt, in dem wichtige Eckdaten erfragt werden, Abläufe der Hochzeit festgehalten werden, wir fragen nach Kleinigkeiten wie Farbkonzepten oder die Art wie der Brauteinzug sein wird.
Am Ende des Gespräches steht dann die Unterschrift unter dem Foto Vertrag.

Sobald der Fragebogen bei uns ausgefüllt eintrifft (gerne machen wir das auch zusammen während des Vorgespräches), beschäftigen wir uns mit der Location, wir recherchieren im Internet und fast immer besuchen wir den Ort, an dem das Brautshooting stattfinden soll. Wir schauen nach den schönsten Einstellungen und entwickeln Ideen in unserem Kopf.
Wenn nötig beantragen wir Fotoerlaubnisse (oft in Parks, Schlössern oder Burgen) und wir schauen im Internet nach dem Standesamt oder der Kirche und welche Fotomöglichkeiten es dort für uns gibt.

Ungefähr eine Woche vor der Trauung haben wir die Wettervorhersage im Auge, und überlegen uns im schlimmsten Fall eine Regenalternative!

Wir nehmen nochmals Kontakt mit dem Brautpaar auf, fragen nach eventuellen Änderungen im Ablauf des Tages, nach besonderen Wünschen usw.

Einen Tag vor der Trauung steht dann viel Arbeit für uns an:

  • Wir beschäftigen uns nochmals mit dem Fragebogen und gehen alles durch. (wer fotografiert aus welcher Perspektive, welche Kameras/Blitze kommen zum Einsatz, brauchen wir die portable Lichtanlage, wie war der Zeitplan, welche Gruppenfotos waren gewünscht, welche Besonderheiten gibt es, welche No goes waren angegeben, usw. usw.)
  • Kameras werden gesäubert und gecheckt, Akkus aufgeladen, Batterien gewechselt, Speicherkarten durchgesehen (wir speichern grundsätzlich auf doppelten Speicherkarten – damit ja nichts verloren geht)…. Alles wird in die passenden Fototaschen gepackt.
  • Falls nötig werden besondere Accessoires besorgt (Ballons, Stoffe, Dekoartikel etc.)
  • Der „Zauberkoffer“ wird gepackt, das heißt ein Koffer nur mit Accessoires wie Stoffe für den Brautstrauß zu fotografieren. Utensilien die passend für das Paar sind, um deren Ringe in Szene zu setzen, Seifenblasen, Konfetti in passenden Farben, Blütenblätter, Rauchbomben, Girlanden, Fähnchen, Banner und ähnliches, welche auf einem Foto Platz finden könnten.
  • Das Notfall Tässchen wird geprüft, sind Pflaster, Nähutensilien, Bürste, Puder, Spiegel, Taschentücher, Wasser, Bonbons, feuchte Tücher, Deo da!?
  • Werbematerial wird eingepackt/ Autowerbung angebracht.
  • Arbeitskleidung wird gebügelt.
  • Ggf. transportables Licht Setup oder Hintergrundsystem eingepackt.

Am Hochzeitstag selbst sind wir mindestens eine halbe Stunde vor Beginn der Trauung vor Ort, klären mit dem Standesbeamten/ Pfarrer die Modalitäten (wo dürfen wir uns platzieren, wann ist das fotografieren gestattet und wann unerwünscht usw.)

Und dann geht es los mit der Fotobegleitung … je nach ausgewähltem Paket zwischen 2-10 Stunden z.B.
Dazwischen sind wir oft Psychologe, Florist, Seelentröster, Nervostiätsrunterholer, Organisationstalent, Clown, Techniker und Kummerkasten J … und genau das sind wir sehr gerne, nicht nur der Dienstleister der seine Stunden abarbeitet, sondern einfach mittendrin statt nur dabei. Wir haben stets ein offenes Ohr, versuchen das manchmal unmögliche, möglich zu machen, sind offen für spontane Ideen oder Wünsche.
Denn genau das ist das schönste Kompliment, wenn man, nach ein paar Wochen das Feedback bekommt, wir hätten dem Paar so die Nervosität genommen, es war so lustig mit, wir wären der Ruhepol gewesen, wir wären einfach immer da gewesen, aber man hätte uns kaum wahrgenommen und so weiter…
Wenn die gebuchte Zeit sich dann dem Ende nähert, passen wir den richtigen Moment ab, fragen das Brautpaar ob es so bleibt wie ausgemacht, oder ob Sie noch Wünsche haben die wir erfüllen können, oder ob sogar noch Zeitbedarf besteht und wir spontan länger bleiben sollen ( meistens klappt das spontan).
Ansonsten treten wir die Heimfahrt an, was durchaus auch einmal eine Stunde oder länger sein kann – zu diesem Zeitpunkt, sind wir oft total aufgekratzt und glücklich, liebe Menschen an Ihrem großen Tag begleiten zu haben, auch uns gehen die ganzen Eindrücke durch den Kopf.

Zuhause dann, wird meist sofort die Speicherkarte in den PC gesteckt, um die Bilder zu mindestens 2 x sichern und zu exportieren. Jedes Mal aufs Neue sind auch wir gespannt wie es gelungen ist, die besonderen Momente festzuhalten.

Einen Tag nach den Feierlichkeiten geht dann die PC Arbeit los, an die viele nicht denken oder sie sehr unterschätzen. Im Prinzip durchlaufen die Bilder (und das können je nach gebuchter Zeit durchaus 800 – 4000 Bilder sein) 6 verschiedene Sichtungen:

  • Alle Bilder werden durchgeschaut und verwackelte, unscharfe, misslungene aussortiert.
  • Es werden eine Handvoll guter Bilder ausgesucht und bearbeitet, die das Paar vorab per Whatsapp bekommt (einfach um die Neugierde zu stillen oder für die sozialen Medien)
  • Nun wird jedes einzelne Bild genauer unter die Lupe genommen und zugeschnitten, Gruppenfotos oder Serienbilder werden genauestens und immer wieder verglichen, welches das optimalste ist.
  • Erst jetzt beginnt die 1. wirkliche Bearbeitungsrunde, Kontrast, Tiefe, Farben, Schärfe, Helligkeit usw. wird an jedem einzelnen Bild justiert.

Nach dieser Position wechseln wir nun die Person, denn wenn man sich Stunden/Tage immer wieder mit den gleichen Bildern beschäftigt, sieht man keine Details mehr – wird berufsblind. Und da wir ja zu zweit fotografieren, haben wir den Luxus des Wechselns.

  • Im Prinzip wird die letzte Bearbeitungsrunde von der anderen Person wiederholt und ggf. optimiert.
  • In der letzten Sichtungsrunde werden die besonders schönen Bilder zusätzlich mit Filtern versehen oder speziell bearbeitet ( schwarz/weiß, Vignetten, Vintage, ….)
  • Abschließend wird ein Link erstellt und dieser an das Brautpaar gesendet, damit Sie diesen an Ihre Gäste verteilen können.

Damit aber nicht genug, im nächsten Schritt, und dies klappt meistens innerhalb einer Woche, werden die gesamten Bilder (nun etwa 400 – 2000 Stück) auf einen Stick gezogen, dieser wird von uns hübsch verpackt, mit einem Anschreiben und der Rechnung versehen in ein Päckchen oder Umschlag gesteckt und zur Post gebracht!

Als letzten Punkt steht nun die Buchhaltung an, denn das Finanzamt will ja nun mal alles genauestens wissen… während sich das Brautpaar hoffentlich an wunderschönen Bildern erfreut kümmern wir uns sicher bereits schon wieder um das nächste heiratswillige Pärchen.

Manchmal ist an dieser Stelle allerdings auch noch nicht Schluss, denn es kommen öfters noch Wünsche nach dem Hochzeitstag bei uns an, besondere Bearbeitungen, der Wunsch nach einem Fotobuch, Danksagungen oder ähnlichem, was wir auch sehr gerne erfüllen.

Alles in Allem investieren wir in eine Fotobegleitung zur Hochzeit, neben der gebuchten Shooting Zeit (!) etwa knappe 5 Tage Zeit – und das tun wir sehr gerne!

Manche Paare erzählen, dass es ja da auch noch Onkel Bob gibt, der hobbymäßig gerne fotografiert, oder den Freund Karl der immer so tolle Handy Bilder macht. Und sicher sind solche Aufnahmen auch gut für Gartenpartys oder Junggesellenabschiede. ABER dennoch ist es ein himmelweiter Unterschied – der oft auffällt, wenn man diese Fotos mit der Qualität der Fotografenbilder vergleicht.

Dies ist natürlich der Profiausrüstung geschuldet, die angeschafft und ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden will, die gesamte Ausrüstung, die wir besitzen hat z.B. einen Wert von etwa 15 000 Euro! Und da sollte ein Unterschied zu Handy oder Hobbyfotografie schon deutlich sichtbar sein. Deswegen sollte jeder gut überlegen, woran er spart, wenn er Hochzeits Dienstleister auswählt.

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